Abitur Online im “Online-Abitur”

Das Internet hat bereits in vielfältige Bereiche des täglichen Lebens Einzug gehalten. Shoppen ohne Internet ist heute genauso wenig denkbar wie eine Informationsrecherche jenseits des World Wide Web.

Da war es nur eine Frage der Zeit, ehe das Internet auch den Bildungssektor erobert hat. Die ersten Schritte diesbezüglich machten die Fernschulen, welche Lernmaterialien über das Netz an ihre Schüler versendeten. Anschließend tauchten sie mit einer Onlineplattform im Web auf, um dort den Austausch der Schüler in Foren sowie eine unmittelbare Lernwebseite zu schaffen.

Das Online-Abitur – ein Modellprojekt?

Das Ergebnis dieser ganzen Versuche ist nun das Online-Abitur, eine detaillierte Weiterentwicklung der Konzepte von Fernschulen, die in Internetabwicklung zum Abitur führen soll.

Bislang konnte sich das Online-Abitur jedoch noch nicht flächendeckend durchsetzen. Obwohl es gerade für die beruflich und privat stark eingespannte Zielgruppe eine ideale Option ist, doch noch die Abiturprüfungen ablegen zu können, unterstützt nicht jedes Bundesland gleichermaßen diesen recht neuen zweiten Bildungsweg. Nachdem Nordrhein-Westfalen im Jahr 2002 jedoch den Anfang mit dem Online-Abitur Angebot gemacht hatte, konnte man beobachten, wie einige Bundesländer nachgezogen sind.

Manche Online-Abitur Projekte befinden sich noch in der Modellphase und eine konkrete Zukunftsaussicht kann nicht gegeben werden. Andere wiederum, wie zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz, haben diese Erprobungszeit hinter sich gelassen und das Online-Abitur fest in ihr Repertoire des Abitur Nachholens über den zweiten Bildungsweg integriert.

Konzeptionell und organisatorisch ist das Online-Abitur strikt von den Fernschulen und Kollegs zu trennen.

Zielgruppe und Voraussetzungen für das Onlineabitur

Das Onlineabitur ist eine spezielle Konzeption des Abitur Nachholens über den zweiten Bildungsweg, die sich ausdrücklich an Personen richtet, die einen regelmäßigen Schulbesuch nicht realisieren können. Entsprechend definiert sich die Zielgruppe, die sich vom Onlineabitur angesprochen fühlen darf. Dabei muss zwischen der ideellen Zielgruppendefinition und den reellen Zugangsvoraussetzungen unterschieden werden.

Wen spricht das Onlineabitur an?

Wie es sich für ein Modellprojekt gehört, dienten auch beim Onlineabitur die ersten Gehversuche dazu, eine organisatorische Struktur zu entwickeln und diese in der Praxis zu erproben. Auch die Zielgruppenbeschreibung gehörte beim Onlineabitur zu dieser Modellprojektphase dazu. So wurde im Laufe der Zeit deutlich, welche Personengruppen hauptsächlich als Onlineabitur Interessenten angesehen werden können:

  • Menschen, die einer Berufstätigkeit nachgehen und aus diesem Grund keinen Abiturlehrgang mit Präsenzpflicht absolvieren können,
  • Personen, die aus familiären Gründen zeitlich unflexibel sind,
  • Interessenten, denen es an der erforderlichen Mobilität mangelt, um einem zweiten Bildungswegangebot mit Anwesenheitserfordernis zu folgen sowie
  • Abiturienten, denen es an Zahlungsmöglichkeiten für hohe Lehrgangsgebühren mangelt.

Die Zugangsvoraussetzungen für das Onlineabitur

Das Onlineabitur ist in seinen Zugangsvoraussetzungen recht offen gehalten. Dennoch entbehrt auch dieser recht junge Weg zum nachgeholten Abitur bestimmten Erfordernissen nicht, die es mitzubringen gilt. Diese kann man in die formellen sowie die individuellen Zugangsvoraussetzungen unterscheiden, welche um die technischen Bedingungen zu ergänzen sind.

  1. Formelle Zugangsvoraussetzungen

Rein organisatorisch spricht das Onlineabitur ausschließlich solche Menschen an, die

  • mindestens 19 Jahre alt sind,
  • den mittleren Bildungsabschluss nachweisen können und
  • eine abgeschlossene Berufsausbildung oder drei Jahre berufliche Tätigkeit mitbringen.
  1. Individuelle Zugangsvoraussetzungen

Die individuellen Voraussetzungen sind nicht obligatorisch, ihr Vorhandensein hat sich allerdings als äußerst hilfreich erwiesen, will man über das Onlineabitur erfolgreich zur allgemeinen Hochschulreife gelangen. So sollten die entsprechenden Personen

  • fit im Umgang mit Computer und Internet sein,
  • ein hohes Maß an Selbstdisziplin zur eigenständigen Lernorganisation mitbringen,
  • zeitlich und organisatorisch imstande sein, obligatorischen Pflichtveranstaltungen beizuwohnen und
  • keine Probleme mit dem eigenständigen Erarbeiten von Unterrichtsstoffen haben.
  1. Technische Voraussetzungen

Will man abiturrelevanten Unterrichtsstoff zum größten Teil über das Internet erschließen, so erfordert es gewisser technischer Voraussetzungen, die da wären

  •  ein schneller Multimediacomputer mit ausreichend Speicherkapazität, modernem Betriebssystem sowie leistungsfähigen Grafik- und Soundkarten,
  • einen Drucker sowie einen Scanner, eventuell auch als Multifunktionsgerät verarbeitet,
  • ein Headset zur Kommunikation und
  • einen leistungsstarken Hochgeschwindigkeitsinternetanschluss bestenfalls mit Flatrate.

Wer bietet das Onlineabitur an?

Noch vor wenigen Jahren konnte man die Anbieter, die im Bereich Onlineabitur aktiv waren, an einer Hand abzählen. Schließlich handelte es sich dabei bloß um einen Modellversuch, der 2002 in Nordrhein-Westfalen seinen Anfang fand und zunächst kritisch beäugt wurde.

Heute ist dem ganz und gar nicht mehr so. Nach und nach ziehen die einzelnen Bundesländer nach und wagen sich ebenfalls mit einem Onlineabitur an den Start. Ehe sich dieser Bildungsweg jedoch etablieren wird, werden wohl noch einige Jahre vergehen. Und genau deshalb findet man das Onlineabitur auch 2012 lediglich in fünf Bundesländern und dort auch nur bei einer begrenzten Anbieterauswahl.

Das Onlineabitur in Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland, welches zuerst die Möglichkeiten des Internets für den Bildungsbereich erkannt hat und sich mit einem Modellprojekt namens Onlineabitur an den Start wagte. Der Erfolg gab dem Bundesland eindeutig recht. Heute ist das Onlineabitur in NRW schon lange den Kinderschuhen entwachsen und konnte sich zumindest dort etablieren.

Genau aus diesem Grund sind es in Nordrhein-Westfalen inzwischen zehn Kollegs, die im Bereich Onlineabitur aktiv sind:

  • Ottilie-Schoenewald-Weiterbildungskolleg in Bochum
  • Westfalen-Kolleg in Dortmund
  • Weiterbildungskolleg Emscher-Lippe in Gelsenkirchen
  • Weiterbildungskolleg der Stadt Gronau
  • Weiterbildungskolleg der Stadt Hagen
  • Weiterbildungskolleg der Stadt Köln
  • Abendgymnasium der Stadt Münster
  • Westfalen-Kolleg in Paderborn
  • Weiterbildungskolleg des Kreises Viersen
  • Euregio Kolleg in Würselen

Das Onlineabitur in Rheinland-Pfalz

Nachdem das Projekt Onlineabitur in Nordrhein-Westfalen einige Jahre erfolgreich war, wollte man auch in Rheinland-Pfalz Mut beweisen und diese neue Methodik des zweiten Bildungswegs für seine Einwohner übernehmen. Dies ist dann auch geschehen, so dass im Jahr 2007 das erste Onlineabitur Angebot in Rheinland-Pfalz das Licht der Welt erblickte.

Seit 2011 ist die Projektphase des Onlineabiturs in RLP beendet und das Konzept hat seine feste Verankerung gefunden. Dabei wird jedoch konsequent an weiteren Unterrichtsmodellen geforscht, die noch individueller die Situationen der Schülerinnen und Schüler würdigen sollen. Vormittagsunterricht wird in diesem Zusammenhang bereits angeboten, Wechseldienstarbeiter sollen in persönlichen Gesprächen über individuelle Möglichkeiten informiert werden.

Das Onlineabitur kann man in Rheinland-Pfalz beim

  • Kettler-Abendgymnasium in Mainz und
  • ab Sommer 2012 auch am Koblenz-Kolleg

absolvieren.

Das Onlineabitur in Sachsen

Das Onlineabitur in Sachsen ist geschichtlich gesehen das jüngste Projekt dieser Art, denn seine Anfänge datieren erst auf den Schuljahresbeginn 2011. Konzeptionell wurde versucht, die 35 Wochenstunden umfassende Anwesenheitspflicht auf 24 Wochenstunden zu reduzieren und die verbleibende Zeit als Selbstlernphase zu strukturieren. Dabei werden aktuell die Nebenfächer an den drei Präsenztagen frontal unterrichtet, während Mathematik, Deutsch, Englisch und Latein je zur Hälfte unterrichtet und zur anderen Hälfte selbst erarbeitet werden sollen.

Zum Schuljahresbeginn 2012 ist eine Umstrukturierung auf zwei Wochentage Unterricht und drei Wochentage Onlinelernen vorgesehen.

Das Onlineabitur in Sachsen wird bislang nur von einem einzigen Anbieter unterstützt, nämlich dem Chemnitzer Abendgymnasium.

Das Onlineabitur in Bremen

In Deutschlands Norden, konkret in Bremen, findet man ebenfalls eine Form des Onlineabiturs, die dort jedoch als Blendet Learning bezeichnet wird. Konzeptionell ist das Blendet Learning dem Onlineabitur jedoch sehr ähnlich.

Bei dieser Art des Onlineabiturs geht es darum, die verschiedenen Unterrichtsinhalte an drei Wochentagen in einer Frontalunterweisung vermittelt zu bekommen. Die verbleibende Zeit soll dem Selbststudium mittels Internet dienen, wozu eigens ein virtueller Klassenraum erschaffen wurde. Über diesen verläuft die gesamte Abwicklung des Blendet Learnings.

Das Blendet Learning als Onlineabitur in Bremen wird von der Erwachsenenschule, kurz EWS, angeboten.

Das Onlineabitur in Mecklenburg-Vorpommern

Auch Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich im Bereich Onlineabitur aktiv und lehnt sein Konzept dabei an das Blendet Learning des Stadtstaats Bremen an. Hier werden pro Woche zwei Tage Anwesenheit gefordert, während die restliche Zeit dem eigenständigen Lernen im virtuellen Klassenraum zur Verfügung steht.

Vertreter des Blendet Learnings in Mecklenburg-Vorpommern ist das Abendgymnasium Rostock.

Vor- und Nachteile der Onlineabiturs

Die Tatsache, dass sich immer mehr Bundesländer an den Versuch des Onlineabiturs heran wagen, spricht prinzipiell für diese moderne Variante des zweiten Bildungswegs. Tatsächlich überzeugt das Onlineabitur auch mit einigen Vorteilen, denen jedoch gewisse Nachteile gegenüber stehen:

 VorteilNachteil
ZeiteinteilungFlexibilität dank SelbstlernphasenEingeschränkt durch Anwesenheitspflichttage
DauerLediglich 6 Semester bis zum Abitur,Verkürzung bei angestrebter oder bereits vorhandener Fachhochschulreife möglichAbhängigkeit von der eigenen Lerndisziplin
KostenPrinzipielle Lehrgangs- und LernmittelgebührenfreiheitEvtl. anfallende Aufnahmegebühren, Nutzungsentgelte und Auslagen für Onlinezugang und Equipmentbeschaffung
ZielgruppeAuch bei vollem Terminplaner eine OptionNicht für Hauptschulabsolventen geeignet
Zugangs-voraussetzungenNur rudimentäre VoraussetzungsbeschreibungenMittlerer Bildungsabschluss ist Pflicht
BerufstätigkeitRechtlich wie organisatorisch möglichVollzeitbeschäftigung zeitlich nur schwer realisierbar
AnbieterauswahlKontinuierliche Ausweitung der AnbietervielfaltNoch nicht in allen Bundesländern vorhanden

Die Vorteile in der Übersicht

Hier noch einmal die Vorteile des Onlineabiturs auf einen Blick:

  • Das Onlineabitur zeichnet sich durch eine gewisse Flexibilität dank integrierter Selbstlernphasen aus.
  • Auf diesem Weg erreicht man das Abitur bereits nach sechs Semestern also drei Jahren, wobei Verkürzungen möglich sind, insofern die Fachhochschulreife angestrebt wird beziehungsweise bereits vorhanden ist.
  • Die Kosten überzeugen, da keine Lehrgangsgebühren erhoben werden.
  • Das Onlineabitur spricht vor allem solche Menschen an, die zeitlich einen Vollzeitschulbesuch nicht realisieren können.
  • Die Definitionen für die Voraussetzungen des Onlineabiturs beinhalten nur spärliche Vorgaben.
  • Die Ausübung einer Berufstätigkeit ist nicht nur rechtlich möglich, sondern auch im zeitlichen Kontext realisierbar.
  • Die bislang eingeschränkte Vielfalt der Anbieter wird nach und nach ausgeweitet und greift auf andere Bundesländer über.
  • Die abgelegte Abiturprüfung besitzt deutschlandweit Gültigkeit.

Die Nachteile des Onlineabiturs

Konträr zu den Vorteilen, sollen hier noch einmal die Nachteile des Onlineabiturs verdeutlicht werden:

  • Die zeitliche Flexibilität des Onlineabiturs ist durch die verpflichtenden Präsenztage eingeschränkt.
  • Der Lernerfolg hängt maßgeblich von der eigenen Lerndisziplin und den Lernbedingungen ab.
  • Trotz fehlender Lehrgangsgebühren ist mit Auslagen aufgrund von Nutzungsentgelten für das virtuelle Klassenzimmer, Anschaffungskosten für notwendige Multimediaausstattungen und Onlinegebühren zu rechnen.
  • Das Onlineabitur setzt voraus, dass man den mittleren Bildungsabschluss bereits hat und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine dreijährige Berufstätigkeit nachweisen kann, womit dieser Weg manchen Interessenten verschlossen bleibt.
  • Eine Berufstätigkeit ist zwar möglich, allerdings lassen sich Vollzeitbeschäftigungen oder Wechseldienste nur schwer mit dem Onlineabitur vereinbaren.
  • Bislang ist das Onlineabitur noch nicht in allen Bundesländern vertreten, sondern taucht nur punktuell als Angebot auf.

Was kostet ein Onlineabitur?

Ein Schulmodell, welches nur wenige Präsenztage beinhaltet, dafür jedoch eine umfangreiche Onlinebetreuung garantiert, muss eigentlich einige Kosten mit sich bringen. Zumindest kennt man dies vom Fernabitur.

Beim Onlineabitur ist dies allerdings keineswegs so, denn tatsächlich ist diese Variante des zweiten Bildungswegs häufig an Abendgymnasien und Kollegs angegliedert, beides staatliche Einrichtungen, die keine Schulgebühren erheben. Und genau aus diesem Grund ist das Onlineabitur kostenfrei.

Lernmittelkosten und Webpräsenznutzung

Das Onlineabitur lebt vom e-Learning, also dem elektronischen Lernen. Eigens zu diesem Zweck werden von den Onlineabitur Anbietern Internetplattformen ins Leben gerufen, über welche die Lernstoffaufnahme sowie der Kontakt mit Mitschülern und Betreuern möglich werden. Damit gehen natürlich Programmierungs- sowie Wartungskosten, Onlinegebühren und Energieauslagen einher. In diesem Zusammenhang beziehen manche Onlineabitur Anbieter ihre Schülerinnen und Schüler in die Finanzierung ein. Mit rund 20 Euro pro Monat kann diesbezüglich gerechnet werden.

Andere Onlineabitur Institutionen sind jedoch von der Lernmittelfreiheit überzeugt und halten somit sowohl Unterrichtsmaterialien wie auch Onlineplattformen kostenlos für ihre Teilnehmer vor. Geschieht dies nicht, so müssen pro Semester etwa 250 Euro für Bücher und sonstige Arbeitsmaterialien einkalkuliert werden.

Anmeldegebühren nicht überall

Onlineabitur Anbieter dürfen prinzipiell die Anmeldung der Schüler mit Kosten belegen. Manche machen von diesem Recht auch tatsächlich Gebrauch. Etwa 25 Euro kostet es, sich bei diesen Institutionen für das Onlineabitur einzuschreiben, ein Betrag, der allerdings nur einmalig fällig wird.

Individualkosten müssen getragen werden

Ein Onlineabitur ohne Onlinezugang ist nicht möglich. Genau aus diesem Grund muss man als Interessent des Onlineabiturs auch das entsprechende Equipment vorhalten. Dies beginnt beim heimischen Computer, der im besten Fall neueren Modells mit der entsprechenden Software sein sollte. Außerdem ist ein schneller Internetzugang mit Flatrate-Tarifen ohne Zeit- oder Datenbegrenzung vonnöten.

Unterm Strich fallen dadurch nochmals Kosten an. Die Anschaffung eines geeigneten PC’s samt Software liegt bei rund 700 Euro. Hardwarekomponenten sollten mit nochmals 100 Euro berechnet werden. Ein leistungsstarker Internetzugang ist heute allerdings bereits ab 20 Euro pro Monat erhältlich.

Berufstätigkeit möglich

Während auf der einen Seite das Kolleg eine Berufstätigkeit rechtlich als unmöglich deklariert und auf der anderen Seite die klassische Sekundarstufe II diesbezüglich nur wenig Spielraum lässt, darf man sich beim Onlineabitur darüber freuen, dass das Monatseinkommen durch eine Erwerbstätigkeit nicht nur rechtlich erlaubt, sondern auch praktisch möglich ist. Selbstverständlich müssen 20 Wochenstunden und davon zehn für die Präsenztage eingeplant werden, in diesem Kontext ist aber zumindest die Ausübung einer Teilzeitbeschäftigung durchaus realisierbar. Weiterführende Arbeitszeiten würden allerdings einen zu hohen Stressfaktor bedeuten.

Jenseits der Berufstätigkeit ist parallel zum Onlineabitur allerdings auch ein Sozialleistungsbezug sowie eine Finanzierung über Bildungskredite und BaFÖG möglich.

Aufbau und Ablauf des Onlineabiturs

Das Onlineabitur ist eine recht junge Form des zweiten Bildungswegs und konzeptionell stark an die Fernschulen angelehnt. Organisatorisch muss es jedoch vollkommen von diesen getrennt betrachtet werden, da private Fernschulen ihrer eigenen Struktur folgen und kein echtes Onlineabitur anbieten, wenngleich der Lernprozess über das World Wide Web betreut wird.

Stattdessen sind Bildungsstätten für das Onlineabitur meist an Abendgymnasien oder Weiterbildungskollegs angegliedert und stellen dort eine Alternative zum klassischen Abiturunterricht dar.

Der Zeitumfang beim Onlineabitur

Zugang zum Onlineabitur haben entsprechend den Zulassungsvoraussetzungen nur solche Personen, die mindestens einen mittleren Bildungsabschluss vorweisen können. Hauptschulabsolventen bleibt der Abiturweg über das Onlineabitur folglich verwehrt.

Obwohl die Onlineabitur Anbieter prinzipielle Organisationsfreiheit auch hinsichtlich des zeitlichen Umfangs genießen, kann man dennoch eine grobe Angabe bezüglich der Dauer des Onlineabiturs machen.

So legen die ehemaligen Realschüler in der Regel nach sechs Semestern, also drei Jahren ihre Abiturprüfung ab. Verkürzungen sind prinzipiell möglich, nämlich dann, wenn beim Eintritt in das Onlineabitur bereits die Fachhochschulreife vorliegt. Dann dauert es nur noch vier Semester, also zwei Jahre, ehe die Reifeprüfung zur allgemeinen Hochschulreife abgelegt werden kann und darf. Reicht die Fachhochschulreife als Ziel aus, dann beenden Realschüler das Onlineabitur nach vier Semestern, insofern sie die entsprechenden Leistungen nachweisen können.

Der wöchentliche Zeitumfang des Onlineabiturs wird mit 20 Wochenstunden angegeben. Diese stellen jedoch nur einen Richtwert dar und variieren je nach Lerngeschwindigkeit des Einzelnen im Selbststudium.

Online- und Präsenzzeiten in Kombination

Auch wenn vom Onlineabitur die Rede ist, so bedeutet dies doch keineswegs, dass das Lernen ausschließlich über das Internet erfolgt. Stattdessen kann von einer Kombination aus Onlinelernen und Präsenzphasen gesprochen werden. Anders als beim Fernstudium haben die schulischen Anwesenheitstage beim Onlineabitur einen ausgeprägten Charakter und finden nicht nur am Rande ab.

Normalerweise wird die Wochenstundenzahl je zur Hälfte auf Onlinelernen und schulische Anwesenheit verteilt, was bedeutet, dass man zehn reelle Unterrichtsstunden pro Woche erfährt, die sich im Normalfall auf zwei Wochentage aufteilen. Hinzu kommen Wochenendworkshops zur vertieften Wissensvermittlung.

Für die Onlinelernphasen im Selbststudium stehen für Onlineabiturienten spezielle, institutionseigene Webpräsenzen bereit, über die sie einerseits den Unterrichtsstoff einsehen und verinnerlichen können, andererseits jedoch auch in Kontakt mit anderen Schülern sowie ihren Betreuern treten dürfen. Diskussionsforen gehören zum Onlineabitur genauso dazu wie das Versenden von Arbeitsaufträgen und Hausaufgaben auf dem elektronischen Weg.

Einführungs- und Kursphase beim Onlineabitur

Hinsichtlich der zeitlichen Strukturierung unterscheidet sich das Onlineabitur nur unwesentlich von anderen Institutionen des zweiten Bildungswegs. Denn auch hier wird zwischen zwei Abiturphasen unterschieden:

1. Einführungsphase

In dieser Zeit werden die Schülerinnen und Schüler langsam auf den anschließenden Abiturstoff vorbereitet, in dem eine Lerngewöhnung sowie eine erneute Aufarbeitung der Unterrichtsinhalte der Abschlussklasse einer Realschule erfolgt. Diese Phase dauert ein Jahr und ist lediglich für Inhaber der Fachhochschulreife entbehrlich.

Wichtige Fächer sind Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch oder Latein. Hinzu kommen zweistündige Fächer mit Biologie, Geschichte oder Sozialwissenschaften.

2. Kursphase

Hier geht es an das sprichwörtliche Eingemachte und der prüfungsrelevante Abiturstoff muss erschlossen werden. Dabei darf man eigene Schwerpunkte setzen, wobei neben den oben genannten Fächern noch Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Informatik hinzu kommen. Die Leistungskursbelegung ist in Deutsch, Englisch, Mathematik und Biologie möglich.

Sie fanden diesen Beitrag hilfreich?
4.6/516 ratings